Wenn man bedenkt, wie die Schützenvereine entstanden sind und welche militärischen und politische Bedeutung sie in der mittelalterlichen Männergesellschaft hatten, versteht man, dass Frauen zu diesen Vereinen zunächst keinen Zutritt hatten. Selbst heute gibt es noch Vereine, die aufgrund dieser Einstellung keine Frauen in ihren Kreis aufnehmen.

Auch in Faßberg konnten die Frauen zunächst nicht vollwertige Mitglieder der Schützengilde werden. Ihre Beteiligung beschränkte sich auf die Teilnahme als Ehefrauen des jeweiligen Mitgliedes. Trotzdem wurden bereits im Jahre 1955 für Damen vereinzelt schon Anträge auf Schießauszeichnugen beim Kreisschützenverband gestellt. Im Jahre 1958 waren bereits 14 Damen Mitglieder der Schützengilde.

Bärbel Wienzek die Tochter des ersten Gildeherren Paul Rauh war jedoch nicht damit zufrieden, dass sie bei den Männern mitschießen durfte. Sie gründete im Jahre 1959 eine eigene Damengruppe. Diese Damengruppe hatte 1961 zwölf Mitglieder, sie bestand zwar innerhalb der Schützengilde war dieser aber nicht direkt angeschlossen. Alle Geschäftsvorgänge liefen über die erste Vorsitzende Bärbel Wienzek.

Viele Vorurteile und veraltete Einstellungen in Verbindung mit dem Schießsport mussten überwunden werden bevor die Damengruppe 1972 voll in die Schützengilde integriert werden konnten. Auf der Jahreshauptversammlung am 09.03.1973 wurde erstmalig eine Damenleiterin der Schützengilde gewählt. Diese war, wie konnte es auch anders sein, Bärbel Wienzek, die 43 Jahre lang Mitglied der Schützengilde war und 30 Jahre lang die Damen mit großem Erfolg anführte. Ihr kommt der Verdienst zu, die Schützengilde ein gutes Stück voran gebracht zu haben.

In den Folgejahren standen dann die Damen im Schießsport auch “ihren Mann” wie die vielen guten Ergebnisse bei Wettkämpfen und Meisterschaften sowie bei Schießsportlehrgängen belegen. Heute ist es nichts besonderes mehr wenn die Damen die Geschicke der Schützengilde in allen Bereichen mitbestimmen und auch Vorstandsämter ausfüllen. So konnte die Damengruppe der Schützengilde 1999 ihre 40 jähriges Bestehen feiern. Der erste Vorsitzende Johann Alberstetter bedankte sich in seiner Festansprache für die geleistete Arbeit. Er lobte ebenso das Engagement von Bärbel Wienzek, dass notwendig war um sich in der “Männerdomäne” durchzusetzen, sowie die Vorbildfunktionen und die immerwährende Bereitschaft alle Arbeiten zu leisten, die durch die vielen Veranstaltungen der Schützengilde anfallen.

Und damit begann es:


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